Sonntag, 3. November 2013

Das Beste aber kommt erst

Man hat sich ein Leben lang abgestrudelt, dies und jenes erreicht, mehr oder weniger gut. Am Ende des Lebens aber ist nur das wichtig, was bleibend ist. Das, was man der Nachwelt hinterlässt, eben die bleibenden Werte. Da zählt nicht mehr, dass man dies oder jenes im Leben gehabt hat, sondern dass man geordnete Verhältnisse hinterlässt. Eine Familie, die in Frieden lebt und zusammenhält, eine Wohnung für seine Erben, eine gut dastehende Firma, die man mit aufgebaut hat, u.s.w.

Wie oft aber passiert es, dass Dinge, die man ein Leben lang aufgebaut hat, plötzlich weg sind! Wenn ein ein Leben lang aufgebautes Zuhause plötzlich weg ist, wenn man eine Firma mit aufgebaut hat und diese von der Wirtschaft weggerafft wurde, wenn man glaubt Kinder im Glauben erzogen zu haben und diese dann Distanz zur Kirche haben; die Liste kann jeder beliebig fortsetzen. Sind die bleibenden Werte auf einmal futsch?

Die wirklich bleibenden Dinge sind nicht futsch. Mahatma Gandhi hat ein Leben lang Gewaltlosigkeit gepredigt. Am Ende musste er aber zusehen, wie sich Hindus und Moslems die Köpfe einschlugen. Doch das Bleibende, das er hinterlässt, ist davon unabhängig. Es ist größer als das, was Menschen daraus gemacht haben.

Wir sollten aber einen anderen Blickwinkel haben: wichtiger als das, was bleibt, ist das, was noch kommen wird. Auch oder gerade am Ende unseres Lebens. Nicht so sehr die Angst vor dem Jüngsten Gericht, sondern vielmehr die Freude auf das Leben in Fülle. Und das ist uns verheißen, wenn wir es nur wirklich wollen.

Der Zugang der Urchristen zum Jenseits war, denke ich, ein viel unverkrampfterer als der in der heutigen Zeit. Die Urchristen dachten nicht so sehr an die Hürde des Jüngsten Gerichts, sondern schon an das danach, sie hatten das Paradies direkt vor Augen. Hier darf ich (wieder mal) Pater Mitterstiehler zitieren: "Wir dürfen uns zwar nie sicher sein. Aber wir können hoffen, dass es alle sind, die gerettet werden." Wir dürfen auf die Gnade und Liebe Gottes hoffen. Die besteht nicht darin uns eine zweite Chance zu geben (zurück an den Start und mache es diesmal besser), sondern uns zu vergeben (wie auch wir bereit sind zu vergeben).

(fjb)


Dieser Artikel stellt die private Meinung des Autors dar.

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