Montag, 5. August 2013

Tom geht und Frederick kommt

Zwei Jahre hat es der ehemalige Pfarrpraktikant, dann Diakon und nun geweihte Priester Tom Kruczynski Kurat bei seinem Domprobst sein. Für alle, die sich in Stockerau nicht so auskennen, hier die Lösung: Es ist unsere früherer Pfarrer Karl Pichelbauer in Wiener Neustadt.
bei uns in Stockerau ausgehalten. Ab September wird er bei einem durchaus in Stockerau bekannten Pfarrer Dienst machen. Und weil das eine besondere Pfarre ist, nämlich eine Dompfarre, so wird der Kaplan

Und weil die 2 Jahre in Stockerau so schön waren, gibt es einen Nachfolger als Pfarrpraktikant. Das Pfarrpraktikantenjahr ist das Jahr vor der Diakonweihe. Dann folgt normalerweise ein Jahr Diakon, das wenn alles wie geplant läuft, mit der Priesterweihe endet. Und da es schon möglich ist, dass Sie den "Neuen" gesichtet haben, möchten wir Ihn sich hier vorstellen lassen. Die Kurzform gibt es dann auch im neuen Pfarrblatt Ende August. Aber online Leserinnen und Leser wissen schneller mehr...

Mein Name ist Fredrick Tanson Gbal, und ich stamme aus dem Nordwesten Ghanas. Seit acht Jahren bin ich bereits in Österreich, und seit 2011 gehöre ich dem Wiener Priesterseminar an.
Vor kurzem habe ich mein Theologiestudium abgeschlossen. Das Thema meiner Diplomarbeit ist „Tod und Begräbnis beim Volk der Dagara in Ghana in der Feier der römischen Begräbnisliturgie: ein Ansatz für die Inkulturation“. In dieser Arbeit wurde eine typische Begräbnisfeier der Dagara im Licht der christlichen Begräbnisliturgie untersucht als ein Versuch der Inkulturation. Der Stamm der Dagara ist eine ethnische Gruppe im Nordwesten Ghanas.
Für die Dagara ist das menschliche Leben zutiefst vom Phänomen des Todes geprägt. Der Tod steht nicht
Hier ist Ghana
nur am Ende des Lebens, er ist im Leben präsent in all seinen Phasen. Außerdem beginnt hier auf Erden der Aufbruch in der Welt der Vorfahren, unsere Heimat und das Ziel unserer Sehnsucht. In gewisser Weise beginnt das Sterben mit der Geburt, sofern das Leben wesenhaft sterblich ist und grundsätzlich zu jedem Zeitpunkt vom Tod verschlungen werden kann. Leben bedeutet Sterben. Daher kann man keine wesentlichen Aussagen über das menschliche Leben machen, ohne das Sterben zu bedenken.

Durch das Engagement der Missionare und auch den Kontakt mit anderen Kulturen ergibt sich innerhalb der Dagara ein Zusammenleben von Christen und Nicht-Christen. Tradition ist bei ihnen, was sie von den Ahnen übernommen haben; anderes ist für sie fremd und nicht akzeptabel. Die Nicht-Christen unter den Dagara betrachten das christliche Begräbnis als unvollkommen und inakzeptabel. Für sie fehlen einige Elemente der Tradition, weshalb sie die Angst haben, dass die Toten nicht in die Welt der Ahnen kommen. Auf der anderen Seite finden die Christen unter den Dagara einige Riten bei der traditionellen Begräbnisfeier als unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Daher tun sie sich schwer, an einer solchen teilzunehmen. Das bedeutet oftmals, dass angesichts des Todes in den Familien Konflikte zwischen Christen und Nicht-Christen ausbrechen.

Freilich wurde das Christentum von Fremden in unser Land gebracht, aber im Laufe der Zeit hat es einen Platz in der Gesellschaft gefunden und Einfluss auf das Leben genommen. Mittlerweile ist es selbst ein Teil der Tradition. Angesichts der Schwierigkeiten, die bei Begräbnissen auftreten, stellt sich Frage nach Auswegen. Es braucht ein Aufeinander-Zugehen von beiden Seiten; für die Christen stellt sich die Herausforderung der Inkulturation.

So, jetzt habe ich viel von mir und meinem kulturellen Hintergrund erzählt. Das Thema Inkulturation wird mich weiterhin begleiten, denn ein Praktikumsjahr in Stockerau, bei dem es um Erfahrungen in der Seelsorge geht, wird dann am fruchtbarsten sein, wenn ich ein Stockerauer werde – zumindest ein bisschen. So freue ich mich auf alles Hineinwachsen in die Pfarre und die Begegnungen mit Ihnen. Gott gebe uns dazu seinen Segen.

Ihr Fredrick T. Gbal

Zwei Links zu Wikipedia. Einmal ein paar Infos über das Volk der Daghara und eine "kurze" Aufzählung der über 180 Volksgruppen, die in Ghana leben.

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