Dienstag, 27. August 2013

Assisireise - Franziskus und Klara

Cimabue: Franziskus, um 1280,
Basilika S. Francesco in Assisi
Während der Assisireise unserer Pfarre hatten wir eine Woche lang Gelegenheit Franziskus und Klara, ihrem Leben und Wirken, ein wenig näher zu kommen. Es war keine Kulturreise zu Schätzen der Menschheit, und es war auch keine Wallfahrt. Sondern wir wollten Franz und Klara an den Stätten ihres Wirkens einfach näher kommen. Folgende Textstelle soll dies verdeutlichen:

...
Renne nicht von Ort zu Ort. Bleibe stehen oder sitzen. Weniger ist mehr! Du wirst entdecken, wie die Bilder und Stimmen haften bleiben.

...
Du wirst sehen, wie Gott aufleuchtet in der gelebten Gemeinschaft. Du wirst sehen, wie Franziskus da ist, nicht in alten Gebäuden, sondern mitten unter uns. Und er wird mit uns gehen, wenn wir nach Hause fahren.
(aus Regel für Assisibesucher, Pilgerheft "Assisi 2000")



Das Leben von Franziskus darf nicht auf ein Leben in Armut und die Liebe zu den Tieren reduziert werden, es umfasste vielmehr eine komplette Erneuerung der Kirche. Hier die Lebensdaten in sehr kurzer Darstellung:

1181/82 als Sohn eines reichen Tuchhändlers in Assisi geboren, kostet Franziskus in seiner Jugend diesen Reichtum aus. Und er will Ritter werden. Beim Städtekrieg Assisi gegen Perugia wird er gefangen genommen, eingekerkert und erst nach einem Jahr vom Vater freigekauft. Die langdauernde Krankheit während und nach der Gefangenschaft führt zu einer ersten Sinnkrise. Zwei Jahre später will er am Kreuzzug teilnehmen, hat aber eine Vision und kehrt um. Auf der Rückreise begegnet er einem Lepra-Aussätzigen; anstatt wegzulaufen umarmt er ihn und erkennt in ihm Jesus.

Kreuz von San Damiano,
Basilika S. Chiara in Assisi
Franziskus ist ein Einzelgänger, auf der Suche. 1206 hört er in San Damiano das Kreuzbild zu ihm sprechen: "Franziskus, stelle mein Haus wieder her, das zu zerfallen droht." Er versteht das zunächst wörtlich und restauriert das zerfallene Kirchlein. Dazu verkauft er Stoffrollen seines Vaters. Als der Vater ihn beim Bischof anklagt, entledigt er sich öffentlich all(!) seiner Kleider, gibt sie dem Vater zurückt, verzichtet auf seinen Erbteil. Von da an lebt er wie ein Einsiedler und baut nach S. Damiano die Kirchen S. Pietro und Portiunkula wieder auf.

Beim Evangelium von der Aussendung der Jünger erkennt er seine Berufung. Er beginnt zu predigen, die ersten beiden Gefährten schließen sich ihm an. Nach Zweifel wegen seiner früheren Verfehlungen erwächst aus der Erfahrung der Vergebung und Liebe Gottes seine Friedenspredigt.

In Portiunkula wächst die Gemeinschaft auf zwölf Brüder an. Mit diesen zieht Franziskus 1209 nach Rom, um seine Lebensweise vom Papst bestätigen zu lassen. Bis 1220 ist der Orden auf 5000 Brüder angewachsen. Franziskus schreibt seine erste Ordensregel, die aber nicht anerkannt wird (dem Papst erscheint sie zu streng, dass niemand sie einhalten kann). 1223 dann die zweite, endgültige Regel, die anerkannt wird.

1224 zieht er sich wieder mal in die Berge zurück. Auf dem Berg Alverna erhält er (dokuentiert als erster Mensch) die Wundmale Christi (Stigmata). Die durch die Lebensweise radikaler Armut verursachte Krankheit verschlimmert sich. Fast erblindet dichtet er den Sonnengesang. Am 3. Oktober 1226 stirbt Franziskus in Portiunkula.

Bereits 1228 erfolgt die Heiligsprechung des Franziskus, 1230 wird der Leib des Franziskus in die neue Basilika (San Francesco in Assisi) überführt.

Klara (ital. Chiara) wird 1193 als Tocher eines Adeligen in Assisi geboren. Als sie 1212 Franziskus im Dom von Assisi predigen hört, folgt sie ihm und legt in der Kirche Portiunkula das Gelübde eines Lebens nach den Evangelischen Räten ab. Bis zu ihrem Tod bleib sie in der Klausur des inzwischen fertiggestellten Klosters San Damiano. Sie schreibt 1216/1217 die erste Ordensregel für einen Frauenorden, den Klarissen. Ein Leben lang kämpft sie um die Anerkennung der Regel. Diese wird ihr erst auf dem Sterbebett einen Tag vor ihrem Tod überbracht. Klara stirbt am 11. August 1253. Bereits zwei Jahre später wird sie heiliggesprochen. Heute sind die Klarissen nach den Karmelitinnen der zweitgrößte Frauenorden der katholischen Kirche.


Was kann uns das Leben von Franziskus bzw. von Klara sagen? Offensichtlich ist es sinnlos, es als Kopiervorlage für unser Leben zu nehmen. Wir würden das wohl nicht schaffen. Ausserdem ist jeder dazu berufen, sein eigenes, individuelles Leben zu leben. Das Vorbild von Franziskus kann uns nur Anreize und Ideen für unser eigenes Leben geben.

Das Leben von Franziskus war von starken Spannungen geprägt. Es war nicht das Leben eines als Heiliger geborenen Menschen, der immer in vollständiger Harmonie mit Gott und der Natur lebte und dem Irdischen vollig entrückt war. Was Franziskus zum Heiligen macht, ist, dass er diese Spannungen nicht verdrängte, sondern sie annahm, durchlitt und sie Gott anvertraute.

Schließlich sollte noch erwähnt werden, dass Franziskus sein Leben immer direkt aus der Heiligen Schrift ableitete und nicht aus Sätzen der Amtskirche, es ihm aber immer darauf ankam, seine Lebensweise vom Papst abgesegnet zu bekommen.


Abschließend noch der Sonnengesang oder Lob der Schöpfung von Franziskus, der seine tiefe Verbundenheit mit Gott und der ganzen Schöpfung sehr schön ausdrückt:
Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre
und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen. 
Gelobt seist du, mein Herr, mit all deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag,
und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster. 
Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
hell leuchtend und kostbar und schön. 
Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch die Luft
und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst. 
Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch. 
Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark. 
Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und lenkt (trägt)
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter. 
Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die uns verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden. 
Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein lebender Mensch entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligen Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun. 
Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

1 Kommentar:

  1. Danke für die tollen und ausführlichen Berichte. Ganz "leise" kann man als Daheimgebliebener erahnen, wie wunderbar diese Reise an diesen beschaulichen Ort gewesen sein muss.

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