Mittwoch, 15. Mai 2013

Mit den Füßen beten

So hat einmal jemand das Wallfahren zu Fuß genannt. Auch zum 36. Mal war die Fußwallfahrt der Stockerauer nach Mariazell eine gelungene Sache. Diesmal mit einigen "Umwälzungen"...

Hier ist der "offizielle" Kurzbericht unseres Wallfahrtsdirektors Karl Hochfelsner mit dem traditionellen Gruppenfoto am Habertheuersattel:

Vom 9. – 13. Mai 2013 waren 37 Personen nach Mariazell unterwegs. Dies war bereits die 36. Fußwallfahrt von Stockerau nach Mariazell. Nach anfänglichem schönen Wetter, setzte am zweiten Tag leider starker Regen ein und wir wurden bis auf die Haut nass. Die Stimmung konnte diese Wetterlage nicht beeinträchtigen. In Mariazell war es dann trocken aber recht frisch. Der Gepäckstransport musste heuer neu organisiert werden. Das Ehepaar Buxbaum hat dankenswerterweise diese  Aufgabe übernommen und  bestens gemacht.
 Das Motto dieses Jahres war „Herr ich vertraue auf Dich“. Unsere Tagesgestalter hatten  wieder viele Impulse für uns bereit. Die drei „Neuen“ fühlten sich in unserer Gruppe sichtlich wohl und so war diese Wallfahrt wieder für alle eine wunderbare Erfahrung. In den drei besonderen Gottesdiensten spürten wir ganz fest  unsere Gemeinschaft in Christus.
 Wir freuen uns schon auf die Nächste Wallfahrt!
 Karl Hochfelsner

 Und jetzt gehts weiter mit einem "inoffiziellen", aber dafür längeren Bericht eines Langzeitpilgers:

Der Wetterbericht war eher unerfreulich, da der Hl. Bonifatius von den Eismännern eher eisiges Klima ankündigte. So schlimm wars dann nicht. Ein Christi-Himmelfahrts-Donnerstag, an dem die große Gruppe von über 40 Pilgern nach der schönen Festtagsmesse in die Au Richtung Wallfahrerkreuz und Tullner Brücke in die Au entschwand, zeigte ein teilweise heißes Sommerwetter, das durch die Aufwartungen unserer lieben Gastgeber gemildert werden konnte. Familie Buxbaum, die heuer als erste Umwälzung den Transport der Schlafsäcke und Schrankkoffer übernommen hatte, füllte den großen Anhänger bis aufs letzte Platzerl.

Der Freitag begann nach einer etwas Heu- und Matratzenarmen, aber gastfreundlichen Nacht mit prachtvoller Morgensonne und es blieb auch so bis etwas nach Mittag. Dann begann der Wetterbericht zu wirken und der Himmel verdüsterte sich (ist an einem Freitage um 15 Uhr schon einmal vor fast 2000 Jahren passiert). Bald war die große Gruppe, die  hinter dem Fichtholzkreuz aus 1987 ging,  in Plastik gehüllt und außen und innen nass. Und die Feuchte hielt auch während dem schmerzhaften Rosenkranz, der Pause im Gasthof Kübel und beim Aufstieg auf den Hegerberg. Dort winkte freundlich neblig unser Nachtquartier im 15 m hohen Heu (kostet in einem Hotel als Bioheunacht 132 € pro Nacht). Nach den ersten Feiern von drei runden Geburtstagen flötete uns eine einsame Blockflöte zu trommelndem Regen in den tiefen Heu-Schlaf.

Siehe da, am Morgen konnten wir schon wieder im Nebenlreißen zum Morgengebet streben. Dann machten wir uns auf den Weg bergab nach Michelbach, wo uns eine wunderbare Andacht für den Aufstieg fit machte. Die diesmal mäßige Feuchte des wässrigen Nebels, die für unsere 3 Neuen (Frauenquote 66% erfüllt) den Blick auf die schönen Berge verhinderte, verhinderte nicht unser Fortkommen. Früher als sonst erreichten wir das Quartier auf der Ebenwaldhöhe. Mit Dechant und Aushilfskaplan, die beide den ganzen Weg mitgingen, konnten wir eine besinnliche "zweispännige" Hl. Messe feiern. Traditionell schloss sich dann das Essen und die Feier aller übrigen "Runden" an. Doch unser Wallfahrtsdirektor, der heuer zum 30. Male diese Wallfahrt leitete, Karl Hochfelsner, gab als Umwälzung Nummer 2 seinen Rücktritt und seinen Nachfolger - Gerhard Schuster - bekannt. Der "Rechenschaftsbericht" war beeindruckend und daher gab es auch eine kleine Ehrung durch ein Lied nach der Melodie "Have You ever seen the rain" von CCR. Der Refrain war ein einfaches:
Karl, das hast Du gut gemacht,
und wir danken dir dafür.
Karl, das hast Du gut gemacht,
und wir danken dir dafür.
Dreissig Jahr sind a lange, lange Zeit
Als Erinnerung überreichten die Pilgerinnen und Pilger eine gelungene Karikatur unserer Pfarrblatt-Künstlerin Dagmar Ungrad. Aber das war nicht das Ende: Zwei Pilgerinnen und ein Pilger feierten die Mitte des Lebens, bzw. den Geburtstag genau an diesem Samstag und spendeten 3 herrliche Torten samt einem frischen Viendorfer Frizzante. Das war eine willkommene Pause der Wallfahrtsaskese.

Am nächsten Morgen begrüßten uns vor der Ebenwaldhütte die Eisbären des Wetterberichtes, doch das Wetter wurde sonntäglich gestimmt immer besser und wir konnten trockenen Fußes und Kopfes unseren Weg über das Anderbachtal, Hohenberg, St. Aegyd und die Unrechttraisen bis zu unserer letzten Übernachtung am Gscheid fortsetzen.

Die Sonntagabendmesse war wieder einer der vielen Höhepunkte unserer Pilgerfahrt, aber dann ging es husch, husch ins Lager oder Bett, denn um 5 Uhr hieß es spätestens aufstehen. Um 6 Uhr erwartete uns schon Klaus, genannt nach Bruder Klaus von der Flüe, zum Morgengebet und wir zogen mit einem morgendlichen Rosenkranzgebet neben dem Hubertussee bei angenehmen Wetter zur schwungvoll gebauten Kapelle dieses Schweizer Heiligen. Zum letzten Mal bat uns der "alte" Wallfahrtsdirektor - der neue muss sich diesen Titel erst erarbeiten - um etwas Eile und wir eilten über den Habertheuersattel und den Sebastianiweg Richtung Gnadenort.

Der erste Anblick der dreitürmigen Kirche ist für viele nach den fast 150 geschafften Kilometern nahe am Wasser gebaut. Dann standen wir am Platz vor der Kirche im Kreis und sangen mit den per Bus oder Auto angereisten Stockerauerinnen und Stockerauern "Lobet und preiset ihr Völker den Herrn" im Kanon.

Die Wallfahrermesse in der Michaelskapelle, ein gutes Mittagessen, der Lebzelterbesuch, das Jagersaftl-Trinken und eine feierliche Andacht vor dem silbernen Gnadenaltar schlossen diesen schönen Tag ab, bevor wir müde in den Bus nach Stockerau stiegen.

Es war ein schöner Weg mit einem großen Ziel. Gespräche mit dem Mitpilgern, liebevolle Wallfahrts-Einführungen für unsere Neuen, besinnliche Andachten und Messen, medidative Rosenkränze, miteinander (gut um-) gehen und viele lustige G'schichtln säumten unseren langen Weg und es ist immer wieder eine Freude mit dabei zu sein.

Am Donnerstag, dem 29.Mai 2014 um 7:45, startet die 37. Fußwallfahrt nach Mariazell im Jubeljahr 1000 Jahre Pfarre Stockerau. Und das Wetter wird so sein wie immer: ein wenig Sonne, wenn es einem zu kalt ist, ein wenig Regen, wenn es einem zu warm wird und ein sanfter Wind, der uns wieder trocknet. Unser neuer Leiter wird das schon richten und wir werden gut beim Gnadenaltar ankommen und unsere Rucksäcke mit allerhand Sorgen-, Bitt- und Dankpaketen ablegen.

Bericht von Pilger Wolfgang Flandorfer

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