Donnerstag, 11. April 2013

Osterpredigt mit Tom Tom



Wie bereits angekündigt gibt es in der Osterzeit - und die endet ja bei der katholischen Kirche nicht am schulfreien Osterdienstag - jeden Sonntag bei der Halbzehnuhrmesse eine besondere Predigt. Diesmal wird unser Diakon Tom Kruczynski, der bald zum Priester geweiht werden wird, das Wort ergreifen und uns das Gotteswort mit seiner festen Stimme erklären. Diesmal geht es um eine Lesung aus der Apostelgeschichte ("Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen"), um eine Lesung aus der Offenbarung ("Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob"). Und ein Evangelium nach Johannes, wo eine weitere Erscheinung Jesu am See von Tiberias nach seiner Auferstehung  beschrieben ist ("Weide meine Lämmer, weide meine Schafe"). Hier sind die Stellen zum "Vorlesen".

Können Sie sich noch an seine berührende Berufungsgeschichte erinnern? Die war im Pfarrblatt November 2011 auf Seite 11 zu lesen. Es lohnt sich. Doch vorher noch ein Satz aus seiner Vorstellung als Pfarrpraktikant in derselben Ausgabe:
Und wenn Gott will, darf auch ich bald laut jene Stelle im Hochgebet lesen, (die ich jetzt nur still mitbete und) in der es heißt: „Wir danken Dir, dass Du uns berufen hast, vor Dir zu stehen und Dir zu dienen“.
Bald ists soweit. Wir wünschen Tom alles Gute! Und hier ist die Berufungsgeschichte:


Schon in der Volksschule verspreche ich im Religionsunterricht, später einmal Priester zu werden. In der nächsten Stunde frage ich unsicher, ob man denn ein Versprechen auch wirklich halten muss. Diese Episode habe ich selbst vergessen, meine damalige Religionslehrerin erzählte sie mir nach meinem Eintritt ins Wiener Priesterseminar. Nach einer glücklichen Kindheit und einer AHS-Schulzeit, die relativ frei von Turbulenzen bleibt, beginne ich nach der Matura ein Studium an der WU, obwohl ich immer schon gern programmiert habe. Das Studium habe ich mir ausgesucht, beeinflusst durch die glänzenden Figuren eines Lee Iaccoca, Donald Trump oder Gorden Gecko, die Grenze zwischen Realität und Fiktion wohl ein wenig verwischend. Schon damals vernehme ich eine leise, innere Stimme, aber schiebe sie gleich beiseite, denn der Traum von Karriere und Familie übertönte sie. Außerdem denke ich damals, jeder höre wohl diese Stimme. Ich denke nicht an eine besondere Berufung.  Menschen, die an eine solche Berufung glauben, sind mir sogar suspekt. Aber ganz lassen kann ich die Stimme nicht und so bleibe ich Ministrantinnen- und werde später Jugendgruppenleiter.
Im Laufe der Studienzeit werden die Erfolgserlebnisse auf der Uni rarer, ein angenommener Nebenjob in einer kleinen Computerfirma immer interessanter. So lege ich das Studium still, um letztendlich für sieben Jahre als Software- und Datenbankentwickler zu arbeiten. So kann ich zum ersten Mal sagen, dass die verborgene Begabung (das Programmieren) zum Durchbruch gekommen ist, wenn auch in einem rein profanen Zusammenhang. Diese sieben Jahre sind nicht immer einfach, aber ich danke Gott sehr für diese „berauschende“ Zeit (und auch für meine Vorgesetzten, die mich stets gefördert haben). Aber auch mein Glaube wächst in dieser Zeit – und die Stimme verstummt nicht. Ich bin hin und hergerissen, ich will sogar missionieren, aber im Alltag als „normaler Berufstätiger“, als Mensch wie du und ich, denn auf die Pfarrer hört doch eh keiner. Und hier beginnt die schwerste und auch die schönste Zeit meines Lebens. Es ist schwer zu beschreiben; im Nachhinein kann ich sagen, Gott hat die Hindernisse selbst aus dem Weg geräumt, mir meine Anhänglichkeiten (nicht immer sachte) aus der Hand genommen und mir solange Trost und Mut gespendet, bis ich selbst erkenne, dass die innere Stimme nicht verstummen wird, dass sie eine Antwort verlangt. Mittlerweile bin ich fast dreißig, arbeite für die Caritas und mache eine Ausbildung für Zivilrechtsmediation. Ich fahre nach Linz, um „meine Berufung“ von Pater Josef Maureder SJ prüfen zu lassen. Heimlich hoffe ich noch, er fände einen Grund, warum ich mich nicht zum Priester eignete. Nein, findet er keinen. Aber er rät mir, mir selbst eine Entscheidungsfrist zu setzen, ein klares Ja oder ein klares Nein zu formulieren. Ein Jahr nehme ich mir Zeit. Auch Exerzitien bringen keine klare Antwort, nur die Sicherheit, von Gott geliebt zu sein, wie auch immer ich mich entscheiden werde (auch eine starke Erfahrung!). Zu Pfingsten endet meine Frist und in der Osterzeit wird klarer und klarer: JA, ich will es wagen. Obwohl mit Höhenangst gestraft, springe ich sogar aus einem Flugzeug, fortwährend die zwei Worte „für Gott“ rezitierend. Danach ist der Schritt ins Seminar wirklich nur mehr ein kleiner. Und so sehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, wie jene leise Stimme mich am Ende für sich gewonnen hat. Wie aus dem stillen Ruf eine Berufung  werden durfte. Wie diese Stimme nur eine Antwort aus  ganzer Freiheit zugelassen hat.

Tom Kruczinsky


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