Donnerstag, 21. Februar 2013

Vatikanum II: Toni Kalkbrenner in Aktion

Das Thema Gotteswort in Menschenworten - das Konzil und die Bibel war dies bereits der vierte Vortrag der Reihe Vatikanum II. Der Vortragende Toni Kalkbrenner, Theologe und Bibelreferent des Katholischen Bildungswerks, brachte das Thema, bei dem sich alles um die Bibel drehte, mit viel Wortwitz. Den zahlreichen Teilnehmern kam im Pfarrzentrum öfter mal ein Lächeln über die Lippen.

Ausgangspunkt war das II. Vatikanum mit seiner Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung (nach den Anfangsworten auch Dei Verbum genannt). Sie wurde zu Konzilsende hin im November 1965 mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde. Folgende drei Hauptsäulen sind darin enthalten:


  • die göttliche Offenbarung
  • die Bibel
  • Verhältnis der Bibel zum Menschen, Tradition


Der Titel Gotteswort durch Menschenworte wurde so erklärt, dass Gott der Urheber der Bibel ist, der Schreiber hingegen der Autor. Es ist also nicht so, dass Gottes Wort in den Schreiber hineingetrichtert wird und 1:1 bei der Schreibfeder wieder rauskommt, sondern das von Menschen niedergeschriebene Wort muss erst soweit verstanden werden, um daraus Gottes Wort zu erkennen.

Schön war das Bild von Stand- und Spielbein aus der griechischen Antike. Dabei stellt die Schrift das Standbein dar (fest und ruhend), die Tradition hingegen das Spielbein, d.h. mit der biblischen Tradition kann man spielen bzw. diese variieren.


Unter Pius XII. wurden literarische Gattungen offiziell eingeführt (Anfang 20. Jhdt.). Jeder Bibeltext ist in einer literarischen Gattung geschrieben (Fabel, Lobpreis, ...), und unter deren Berücksichtigung müssen die Bibeltexte verstanden werden. Weiterhin wurde das Wortspiel von Übersetzung gebraucht: man muss in die Zeit übersetzen (gleichsam wie ein Fährmann), in die der Text geschrieben wurde, um ihn richtig zu verstehnen. Aber um ihn in der heutigen Zeit verständlich zu machen, darf er nicht wörtlich übersetzt werden, sondern es muss zurück übersetzt werden (siehe oben) und in heutigen Worten formuliert werden.

In der anschließenden Diskussion wurde nochmals die Anregung diskutiert, am Ende einer Lesung nicht zu sagen "Wort des lebendigen Gottes", weil das Vorlesen (sollte ein Verkündigen sein) noch nicht das Wort Gottes ist, sondern erst wenn die Worte in den Herzen aufgenommen sind und ein Feuer entfachen, werden sie zum Wort Gottes. Hier wäre die Formel "Worte der ersten Lesung" somit treffender.

Leider kann die Atmosphäre eines Vortrags in einem Bericht nur bruchstückhaft wiedergegeben werden. Bei diesem Vortrag haben Sie echt was versäumt.

Abschließend noch ein Text, den Hr. Kalkbrenner als Einleitung zitiert hat.


Das Wort

"Am Anfang
war das Wort
und das Wort
war bei Gott"

Und Gott gab uns
das Wort
und wir wohnen
im Wort

Und das Wort ist
unser Traum
und der Traum ist
unser Leben

Rose Ausländer

1 Kommentar:

  1. Das stimmt - man hat was versäumt, wenn man nicht dabei war! Einmalig! So pointiert und humorvoll einen Vortrag zu gestalten - das war wirklich einmalig.

    AntwortenLöschen

Wir freuen uns über jeden Kommentar. Und da wir mit konkreten Menschen kommunizieren wollen, bitten wir Sie, nicht anonym zu kommentieren.