Sonntag, 9. Dezember 2012

Marie(n) - Feiertag

Nun sind wir also mitten drin, in der stillsten Zeit des Jahres! Untrüglich ist ihre Stille daran zu erkennen, dass in den Hauptstraßen Weihnachtsreklame erstrahlt, dass private Häuser mit mehr oder weniger aufdringlichen Beleuchtungen den Blick auf sich ziehen. Untrüglich auch die Ausweitung der Öffnungszeiten von Verkaufslokalen, Staus auf den Zufahrtsstraßen zu Einkaufszentren und stündlich vor den Nachrichten noch schnell ein heimatliches Adventlied. Es ist die Zeit der Sonderangebote, in der TV-Werbung sagt ein Nikolaus (Niki) der anderen Art: "Ich hab' ja nichts zu verschenken". Die Luft ist erfüllt von "Jingle Bells", wenn 's sein muss den ganzen Tag.

Maria Empfängnis ist sozusagen das Sinnbild davon. Auch heuer haben die Geschäfte wieder geöffnet, am Marien-Feiertag fließt die Marie. Ist dies ein untrügliches Zeichen für den Konsumrausch unserer Zeit, dafür, dass materielles Haben das geistige Sein früherer Zeiten verdrängt hat?





"Marie(n)-Feiertag", aus Salzburger Nachrichten 7.12.12 
Eine Statistik sagt da was bemerkenswertes: betrug der Anteil des Weihnachtsgeschäfts am Jahresumsatz in den 50er Jahren bei 10 Prozent, so sind es heuer ungefähr 2,5 Prozent. Offensichtlich trifft es nicht den Kern der Sache, wenn man die Verdrängung des ursprünglichen Inhalts des 8. Dezember auf die materielle Fixierung der Menschen zurückführt.

Einer der Gründe liegt sicher darin, dass die heutige Zeit derart beschleunigt ist, die Termine so gedrängt sind, dass der arbeitsfreie Tag als Überdruckventil herhalten muss: nicht, um noch mehr zu kaufen, sondern weil sonst nicht genügend Zeit dafür da ist. Die Entheiligung des 8. Dezember ist demnach auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen zurückzuführen und nicht so sehr darauf, dass der religiöse Inhalt von Maria Empfängnis bewusst abgelehnt wird. Da stellt sich aber die Frage, ob wir mit der Herde mitrennen müsssen, oder aber ganz bewusst ein Zeichen dagegen setzen, so wie es unserem Inneren entspricht, wenn wir uns nur die Zeit nehmen in uns hineinzuhören. Dafür gibt es in unserer Pfarre genügend Möglichkeiten: Sie brauchen nur die Ankündigungen in den Dezember-Beiträgen in diesem Online-Magazin verfolgen. Aber machen Sie sich damit keinen zusätzlichen Stress, sondern werfen dafür unnötigen, zeitfressenden Ballast ab (es gibt etwa genügend TV-Sendungen, die absolut nicht in den Advent passen).

Ein weiterer Grund liegt wohl darin, dass der Inhalt von Maria Empfängnis, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, so schwer zu verstehen ist. Es war schon überraschend zu sehen, wie oft Mariä Empfängnis mit Jesu Empfängnis verwechselt wird. Dabei muss man am Kalender nur die neun Monate einer Schwangerschaft abzählen und kommt auf den 8. September, dem Fest Mariä Geburt. Aber schon der Begriff Erbsünde ist ein schwieriger, die Bedeutung von Jungfrauschaft ebenso. Derart theologisch ausgeklügelte Formulierungen und Argumente sind wohl auf einer ganz anderen Ebene angesiedelt als die oben beschriebenen Alltagsprobleme der Menschen. Vielleicht sollten wir als Kirche nicht in derartig schwindelerregenden theologischen Höhen argumentieren, sondern zu einer einfachen Betrachtung finden. Maria als Mutter Gottes, als eine von uns Menschen, zu der wir in unserer Not immer beten können, als Helferin in der Not: das kann jeder begreifen und unmittelbar auf sein Leben anwenden.

Ergänzung:

Im folgenden lesenswerten Artikel hat die Die Katholische Aktion (KA) der Erzdiözese Salzburg zum Problem der Kommerzialisierung des Marienfeiertages Stellung bezogen. Interessant jedenfalls der Vorschlag, Mariä Empfängnis gegen den Karfreitag abzutauschen. Dies kann ein Vorstoß in Richtung Anpassung an die gesellschaftliche Realität bzw. Stärkung der Kerninhalte sein.

Ein weiterer interessanter Link ist "Papst: Weihnachten ist nicht Konsum".





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