Montag, 10. Dezember 2012

Bibelcafe: Bereitet dem Herrn den Weg!

Zum zweiten mal fand das Bibelcafe statt, wie beim vorigen mal nach der Halbzehner-Messe im Jugendraum (der befindet sich im Keller des Pfarrzentrums). Auch diesmal wurden die Lesungen des Tages, d.h. Bar 5, 1-9 und Lk 3, 1-6 betrachtet (die zweite Lesung wurde nicht betrachtet). Die Leitung lag bei Pfarrer Markus Beranek, zahlreiche Teilnehmer folgten dieser Alternative zum Pfarrkaffee (natürlich gab es auch hier Kaffee).

Nach der Eröffnung und nochmaligem Lesen wurden in offener Diskussion die Bedeutungen dieser Texte beleuchtet. Interessant die Sicht vor dem historischen Hintergrund des späten Exils, vor dem der Text aus dem Buch Baruch aus dem Ersten Testament zu sehen ist. Wie in einer barocken Inszenierung steigt Jerusalem als Braut auf einen Berg (Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe! Schau nach Osten, und sieh deine Kinder) und sieht, wie Gott das Volk Israel in finsterer Nacht (Vom Untergang der Sonne bis zum Aufgang) - wohl ein Gleichnis für einen gottverlassenen Ort - sammelt, eine ebene Autobahn für die Rückkehr bereitet (Senken sollen sich alle hohen Berge und die ewigen Hügel, und heben sollen sich die Täler zu ebenem Land, so dass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann), und das Volk Israel darauf (aus dem Exil) zurück führt (Denn Gott führt Israel heim in Freude)

Gut zusammengefasst ist das auch in der Einleitung zur 1. Lesung im Schott: Der späte Prophet, der in Baruch 5, 1-9 spricht, wendet sich an Juden, die als Minderheiten in der Fremde leben. Sie haben keine politische Macht, aber Gott denkt an sie, er kümmert sich um sie; sein Wort ist zuverlässig. Wer sich an Gottes hält, hat Zukunft und Hoffnung.



Im Hl. Evangelium verhält es sich bei einem ähnlichen Thema ein wenig anders. Hier handelt es sich nicht um eine herausgeputzte Braut, die auf einem Berg wartet, sondern um eine kleines Männchen in Kamelhaar, das zur Umkehr ruft (Johannes der Täufer). Jetzt bereitet nicht der Herr seinem Volk den Weg, sondern das Volk soll dem Herrn den Weg ebnen (Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!). Dafür wird reicher Lohn in Aussicht gestellt (Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt). 

Natürlich sieht das Dem Herrn den Weg bereiten bei jedem Diskussionsteilnehmer anders aus. Häufig war jedoch zu hören, dass dies nur in der Stille möglich ist, wobei  beim Einebnen des Weges der vielbeklagte Konsumzwang unter die Straßenwalze kommt.

Diese Botschaft wurde auch in der Sonntagsmesse schön aufbereitet, wo allerlei Sachen den Weg zum Altar erschwerten und erst von Kindern aus dem Weg geräumt wurden, bevor der Priester einziehen konnte.

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