Donnerstag, 13. Dezember 2012

Ausstieg aus Facebook

Unsere evangelische Schwestergemeinde in Stockerau hat vor  fast einem Jahr einen facebook-Auftritt eingerichtet. Heute meldete Kurator Gerd Lauermann die Entscheidung, diesen Auftritt wieder zu beenden. Und dies mit einer interessanten Begründung - auch als Beitrag zu einer Diskussion, wie sich Kirchen von heute der Kommunikationsmittel von heute bedienen sollen. Für alle nicht facebooker hier der Text:

Seit etwa einem Jahr ist unsere Pfarrgemeinde nun auf fb. In sehr unterschiedlichem Maße haben wir Informationen auf fb gestellt und – dementsprechend – auch unterschiedlich intensives Echo erhalten.
Das Presbyterium hat nun beschlossen, dass sich unsere Pfarrgemeinde von fb zurück zieht. Diese Seite wird daher in einigen Tagen nicht mehr verfügbar sein! Wir hoffen – weiterhin – auf die persönliche Begegnung mit unseren „fb-Freunden“, an der uns weit mehr gelegen ist, als an der digitalen! ....


Gerne möchten wir erklären, weshalb wir uns aus fb zurück ziehen:
Wir haben festgestellt, dass nur einige wenige PresbyterInnen fb-Erfahrung haben. Bevor wir über die Sinnhaftigkeit eines gemeindlichen fb-Auftritts abstimmen konnten, musste uns Andreas Andel zuerst mittels Beamer live zeigen, was facebook kann. Ein soziales Netzwerk und eine homepage sind ja doch grundverschiedene Dinge. Es folgte eine lebhafte Diskussion über Vor- und Nachteile, Sinnhaftigkeit und Gefahren von sozialen Netzwerken wie fb. Kann fb Menschen schaden? Oder kann nur die Art und Weise der Nutzung schaden? Evangelische ChristInnen gehen davon aus, dass freie Menschen ihre Entscheidungen – auch über eine Teilnahme an sozialen Netzwerken – im Einklang mit ihrem Gewissen selbst treffen können. Stehen Menschen unter Druck, möglichst viele likes zu bekommen oder anderen laufend antworten zu müssen? Die Werbemöglichkeiten, der „Schneeballeffekt“ des Netzwerks und das „moderne Image“ standen etwa dem teils unreflektierten Kommunizieren, dem Verringern persönlicher Kontakte (zumindest meistens was deren Tiefe und zwischenmenschliche Beziehung angeht) oder der Tatsache gegenüber, dass wir als Pfarrgemeinde Stockerau eigentlich lieber zielgerichtet regional werben wollten. Sollten wir facebook aber dann nur als reine Werbemöglichkeit nutzen? Schließlich fordert organisches Wachstum der Gemeinde doch tiefgehende und berührende Kontakte zu Menschen. Ist das auf facebook für uns möglich? Ist Gott etwa auch in sozialen Netzwerken zu finden?
Eine allgemeingültige Antwort auf diese Fragen haben wir freilich weder gesucht noch gefunden. Aber eine Antwort für unsere Pfarrgemeinde. Mehrheitlich lehnte das Presbyterium nach Abwägung von Vor- und Nachteilen einen (weiteren) Auftritt der Pfarrgemeinde bei facebook ab, sodass die Pfarrgemeinde derzeit aus fb wieder gelöscht werden wird (das geht wirklich!).
Dabei sind wir uns bewusst, dass fb weder per se „schlecht“ ist. Noch hätte fb für unsere Gemeinde nur Nachteile gehabt. Wir wollen unsere Entscheidung aber als Signal gegen den Strom verstanden wissen. Wir wollen ein kleines Signal gegen Schnelllebigkeit, undifferenzierte Informationsflut und Oberflächlichkeit der Kommunikation setzen. Wir treten für persönlichen Kontakt, Ruhe und Zeit für persönliche Zuneigung und für Besinnung auf das persönlich Wesentliche ein. All das sind Werte, die auf fb vielleicht auch auf die eine oder andere Art zu finden sind, für die fb aber in der Regel nicht steht. Unsere facebook-Seite wird daher in den nächsten Tagen offline gehen.
Kurator Gert Lauermann

Anmerkung: Hier ist auch ein Diskussionsbeitrag einer deutschen, katholischen Seite zum Thema, oder auch hier.

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