Freitag, 23. November 2012

Liturgie: Bewusst und tätig


"Bewusst und tätig" - Liturgie als Feier des ganzen Gottesvolkes. Das war das Thema der gestrigen Veranstaltung der Vortragsreihe Vatikanum II. Der Pfarrer unserer Nachbarpfarre Spillern, Pfarrer Franz Forsthuber, führte seine Eindrücke zu diesem großen Thema lebhaft und authentisch aus. Durch seine Mitarbeit an der Liturgiereform konnte der Vortragende tiefe Einblicke in diese Bemühungen geben. Und ein gut gefüllter Pfarrsaal hörte aufmerksam zu.
Natürlich kann es nicht um Liturgie gehen, wenn dabei nicht gesungen wird. Und so bildeten Psalm 150 und Jes 12,3 den Anfangs- und Endpunkt. Dann ging es in medias res.

Stellvertretend für den Inhalt des Vortrages sei hier aus dem verteilten Arbeitsblatt zitiert, wo es um folgende  Fragestellung ging:

Was ist nach dem Konzil und in der nachfolgenden Liturgiereform anders, neu geworden:

  1. Wortgottesdienst:
    Der Tisch des Wortes ist reichlicher und in der Muttersprache gedeckt. Das Erste (Alte) Testament wurde in die Leseordnung wieder aufgenommen.
  2. Gestaltung der Eucharistriefeier:
    Sie ist der biblischen Gestalt ähnlicher geworden mit
    "Er nahm das Brot (Gabenbereitung),
    er sprach den Lobpreis (Hochgebet),
    er brach das Brot (Brotbrechung),
    er gab es ihnen (Kommunion)."
  3. Gestaltung des Kirchenraumes:
    Der erneuerte Kirchenraum hat folgende Brennpunkte:
    Ambo (Ort der Wortverkündigung),
    Altar (inmitten der Gemeinde!),
    Sessio (Ort der Leitung und Einladung),
    Taufstein (im Blickpunkt der Gemeinde oder am Eingang).
  4. Feier des Pascha-Mysteriums:
    Lebenshingabe (nicht nur Kreuzestod), Erhöhung und Wiederkunft Jesu.
  5. Wiederentdeckung des Hl. Geistes:
    Wandlung der Gaben und Wandlung der Gemeinde.
  6. Betonung der versammelten Gemeinde:
    Die versammelte Gemeinde ist Trägerin des Gottesdienstes. Der alte Leitsatz "Kommet und betet an" wurde vom neuen Leitsatz "Tut dies zu meinem Gedächtnis" abgelöst.
  7. Die "Aufersteheung" des Kirchenjahres:
    Ostern und die Heiligen Drei Tage sind der Höhepunkt des Kirchenjahres. Der Sonntag als das kleine wöchentliche Ostern.
  8. Neuordnung der Sakaramenternfeiern:
    Mit größerem Freiraum in der Gestaltung, Texte erneuert, keine Feier mehr ohne Bibelwort.
  9. Feier des Tageszeitengebetes:
    Hier sind bisher fast alle Bemühungen stecken geblieben?
  10. Tätige Teilnahme:
    Man darf dabei nicht äußeren Aktivismus mit innerer, geistlicher Mitfeier verwechseln.

Zu der Frage, ob drei Lesungen nicht zu viel seien, um aufgenommen zu werden, meinte Pfarrer Forsthuber: Man muss sich ja nicht alles merken. Vielmehr sollte man durch Hören des Wortes Gottes so lernen, so wie man als Kind durch das Hören des Wortes der Eltern lernt.
Erwähnt wurde auch die Vorbereitung eines "Messbuch 2000" für deutschen Sprachraum, das aber kurz vor Fertigstellung eingestellt wurde. So wird wohl eine dritte Ausgabe des jetzigen Messbuches vom Vatikan kommen.

Alles in allem ein wirklich gelungener Abend, für den wir Herrn Pfarrer Forsthuber wirklich danken.

1 Kommentar:

  1. Eigentlich traurig: Da haben wir (als Kirche) noch gar nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die das Vatikanunm in der Liturgie eigentlich erlauben würde. Aber, wie in allen Bereichen unserer Kirche, geht es nicht mit dem Blick nach vorne weiter, sondern es wird eifrig gegen die Richtung nach hinten gestrampelt. Das macht mich an manchen Tagen so wütend, dass mit die Worte fehlen.

    AntwortenLöschen

Wir freuen uns über jeden Kommentar. Und da wir mit konkreten Menschen kommunizieren wollen, bitten wir Sie, nicht anonym zu kommentieren.